Elke Wüstemann
Auch Menschen aufbauen / Elke Wüstemann saniert nicht nur Gebäude
Nomen est omen = Der Name ist ein Vorzeichen! Auf Elke Wüstemann trifft dieser bekannte Satz gewiss nicht zu. Unschwer ist sie als Frau zu erkennen, und als Bauunternehmerin ist nicht das Verwüsten, sondern das Erneuern und Verschönern ihr ureigenstes Anliegen.
Dass sie in diese Männerdomäne geriet, hat mit den aus der DDR-Zeit hinlänglich bekannten staatlichen Steuerungen der Schul- und Berufswahl zu tun. Jedenfalls gehörte zu ihrer Berufsausbildung mit Abitur das Beherrschen des Maurerhandwerks. So hatte die 1950 in Berlin Geborene keine Probleme, das Erlernte an der Ingenieurhochschule Cottbus zu vertiefen und diese Bildungsstätte als Diplom-Bauingenieurin zu verlassen. Das dort erworbene Wissen setzte sie in Halle beim Straßen-, Brücken und Tiefbaukombinat, bei dem kommunalen Betrieb Stadtdirektion für Straßenwesen sowie ab 1987 bei der Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg immerhin so erfolgreich ein, dass ihr bei letztgenannter immerhin 70 Handwerker unterstanden.
Die Wende schüttelte - wie so vieles - auch diese Genossenschaft gehörig durcheinander. Der Baubereich wurde zu einem von einem Westdeutschen übernommenen selbständigen Betrieb, der jedoch in den Konkurs geriet. Da jedoch Kleinbeigeben nicht Sache unserer Parteifreundin ist, machte sie sich mit den Restbeständen des Unternehmens sowie zehn Arbeitskräften selbständig und firmiert seitdem als Elke Wüstemann Bausanierung GmbH.
Gründliche Leser des "Liberalen Halle" merken spätestens an dieser Stelle auf und erinnern sich an die regelmäßig erscheinende Anzeige dieser Firma in unserem lokalen Parteiblättchen. Aus dieser ist zu entnehmen, dass das Unternehmen in der halleschen Tangermünder Straße 8 seinen Sitz hat und mit versierten Trockenbauern, Tischlern, Boden- und Fliesenlegern sowie Malern aufwarten kann. Insgesamt 20 Menschen sind hier in Lohn und Brot, immerhin 50 Prozent mehr als im Gründungsjahr. Ein Zeichen dafür, dass im Gegensatz zur bundesweiten Rezession in der Baubranche die Wüstemänner und -frauen sich verlässliche und seit Jahren treue Auftraggeber erarbeitet haben. Das sind u. a. Wohnungsgesellschaften und soziale Dienste. Ein Verhältnis auf Gegenseitigkeit, denn Qualität und ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis zahlen sich aus. Dann funktioniert auch das Schneeballprinzip des Weiterempfehlens.
Und all das würde auch nicht so recht funktionieren, wenn nicht ein Betriebsklima herrschte, welches ein familiäres Füreinandereinstehen gewährleist. Das betrifft die Familie im engeren Sinne, denn die buchführende Tochter und ein Tischlermeister als Schwiegersohn sind die Garanten für das Weiterbauen der Wüstemanns in der nächsten Generation, es sind ebenso die übrigen in der GmbH Tätigen. Mit diesen gibt es die Bowlingabende und die Betriebsweihnachtsfeier sowie selbstredend die Blumen von der Chefin zum Geburtstag. Doch wohl noch bedeutsamer für alle bei Elke Wüstemann Angestellten dürfte die Rentenversicherung sein, die die Unternehmerin für ihre Leute abgeschlossen hat.
Soziales Engagement ist der tatkräftigen und zuversichtlichen Frau generell eine Herzensangelegenheit, ob als kostenlose Hilfe ihrer Firma in sozialen Einrichtungen und Heimen oder auch das ganz persönliche sich Kümmern um Menschen mit besonderen Problemen. Ob das nun schwierige jugendliche Praktikanten aus einem komplizierten sozialen Milieu sind oder der junge Mann unter ihren Mitarbeitern, den sie ganz besonders intensiv betreut, damit er wieder Tritt fasst im normalen Alltagsleben. Offenbar fühlt sich unsere Parteifreundin dem Aufbauen im doppelten Sinne des Wortes verpflichtet.
Und was tut sie für sich selbst? "Da bleibt wenig Zeit", gibt die Mutter einer Tochter und zweier Söhne zu. "Aber wenn ich mal eine Verschnaufpause habe, dann greife ich gern zum Buch und bin dabei für vieles offen, was gerade aktuell ist", verrät sie weiter und freut sich zudem, noch in diesem Sommer mit dem Enkel ins Legoland nach Dänemark zu fahren. Doch sie wäre nicht die tatenfrohe Elke Wüstemann, wenn nicht der neugegründete Arbeitskreis Kommunalpolitik der FDP, dem sie angehört, ebenfalls den Reiz einer Freizeitbetätigung für die Vielbeschäftigte hätte!
Odo Lilienthal