Petra Tischer
Frohgemut anderen frohen Mut geben
Petra Tischer betreut mit viel Einsatzfreude Selbsthilfegruppen MS-Kranker
Rosenblüten regnete es auch für Petra Tischer vom "Himmel" des großen Saales im neuen theater, als unlängst dort Bürger geehrt wurden, die sich um ihre Mitmenschen oder um Objekte in Halle und im Saalkreis verdient gemacht haben. Zwar gelangte der Bürgerpreis "Ein Esel, der auf Rosen geht" - eine Stiftung von Mitteldeutscher Zeitung, neuem theater sowie Stadt- und Saalkreissparkasse - nicht in ihre Hände, aber immerhin gehörte unsere Parteifreundin in den Kreis der Kandidatinnen und Kandidaten. Und getreu dem olympischen Motto "Dabeisein ist alles" freut es die 57-Jährige, dass ihr unermüdlicher Einsatz für an Multipler Sklerose (MS) Erkrankter von Außenstehenden wahrgenommen und gewürdigt wurde. Nun soll es endlich auch im "Liberalen Halle" geschehen!
Es war im Jahr 1993, als die kleine Frau mit dem kastanienbraunen Haar erstmalig in Kontakt mit dem Landesverband Sachsen-Anhalt der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG) kam. Da nur Zuschauen nie ihr Ding war, ergab es sich, dass sie sich nach den gelegentlichen Hilfeleistungen bei den Zusammenkünften Betroffener im Januar 1996 als Leiterin der "Kontaktgruppe Kreativ" wieder fand. Vorangegangen war der Besuch des Kunsthofes in Barby, wo schöpferisches Arbeiten zum Grundanliegen gehört und u. a. die Kunst der Seidenmalerei erlernt wurde.
Seit dieser Zeit also betreut Petra Tischer jeden Montag von 14 bis 16 Uhr in der Landesgeschäftsstelle der DMSG in der Taubenstraße diese Selbsthilfegruppe. Zwischen acht bis zehn an dieser Krankheit leidender Menschen, darunter drei Rollstuhlfahrer, finden sich dann ein, um kreativ in des Wortes mehrfacher Bedeutung gegen ihre Behinderung anzugehen. Bei einer Tasse Kaffee werden nicht nur die belastenden Probleme ausgesprochen, sondern durch das Anfertigen von Seidenmalereien, Window-Color- und Enkaustik-Arbeiten, 3-D-Karten-Fertigung und dem Anwenden der so genannten Artischocken-Technik das Selbstwertgefühl und die Motorik der Behinderten gestärkt.
Das genügt unserer agilen Parteifreundin jedoch nicht. Zwei- bis dreimal in der Woche findet sie sich noch bei anderen Selbsthilfegruppen ein, um zu raten und zu helfen. Offenbar immer noch nicht ausgelastet, engagiert sich die einstige Schneiderin und Meisterin für Bekleidung zweimal im Monat im Enkaustik-Kreativverein, mischt zweimal monatlich kräftig mit (nicht nur bei den Farben) im Jugend- und Erwachsenen-Malzirkel der Moritzburg, ist einmal im Monat bei Korb-Wiegand in der Mauerstraße beim Vorführen von Bastelarbeiten zu finden und begibt sich aller zwei Wochen mit ihrem Wanderklub auf bis zu 20 Kilometer lange Streifzüge in den mitteldeutschen Ländern. Da zudem irgendwo das Geld herkommen muss - nicht für sich, versteht sich - ist die muntere Petra an so manchem Basar-Stand zu finden, hinter dem sie die Ergebnisse des gestalterischen Tuns ihrer Gruppen vertreibt, ob in einem Sanitätshaus, beim Apothekertag oder Veranstaltungen der Rheuma-Liga (hier ist sie Mitglied).
Zugegeben, für einen Berufstätigen wäre ein solches Pensum nicht zu bewältigen. Doch da Petra Tischer seit 1991 aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig ist, opfert sie gern die dadurch gewonnene Zeit, um anderen noch schwerer betroffenen Frauen und Männern beizustehen. Herumsitzen, die Hände in den Schoß legen und die Schlechtigkeit dieser Welt beklagen - das ist nicht die Eigenart unserer Parteifreundin, die seit 1980 Mitglied bei uns Liberalen ist. "Es macht mir einfach Freude, und ich baue mich daran selbst auf. Hilfe zur Selbsthilfe mir und anderen geben", begründet die Ehefrau des Vorsitzenden der FDP-Ortsverband Halle-Ost, Wolfgang Tischer, ihren frohgemuten Einsatz, mit denen sie anderen zu frohem Mut verhelfen will. Oder hat jemand auf den Veranstaltungen unserer Partei Petra Tischer schon je schlechtgelaunt erlebt?
Odo Lilienthal